#35: Im Kopf einer Künstlerin - Kreativität aus neurowissenschaftlicher Sicht

Shownotes

Kreativität ist nicht nur für KünstlerInnen und ErfinderInnen relevant - sie ist der Motor für Innovation und Fortschritt in allen Bereichen des Lebens.
Wie entsteht Kreativität im menschlichen Gehirn? Warum sind manche Menschen kreativer als andere und welche Möglichkeiten gibt es, die Kreativität zu stärken? Darüber sprechen Neurowissenschaftlerin Manuela Macedonia und Moderatorin Katrin Wachauer im Podcast "Gehirn einfach erklärt".

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00:00:00: Gehirn einfacher Gläts, der Podcast für alle mit Köpfchen.

00:00:05: Herzlich willkommen, schön, dass ihr mit dabei seid.

00:00:08: Mein Name ist Katrin Wachauer, ich bin Moderatorin.

00:00:12: Mein Name ist Manuela Macedania und ich bin Neurowissenschaftlerin.

00:00:15: Buchautorin, Speakerin, was habe ich vergessen?

00:00:19: Lehrkraft, Wissenschaftlerin.

00:00:21: Das vergisst du immer und die Hörerinnen und Hörer glauben, ich mache nur Podcasts.

00:00:28: Ich habe 40 Stunden auf der Uni, wo ich nur Wissenschaft mache.

00:00:31: Du musst heute auch noch an die Uni.

00:00:33: Ja, natürlich.

00:00:34: Was hast du da heute vor?

00:00:35: Heute haben wir Puns trinken.

00:00:37: Es ist ja vor Weihnachten.

00:00:40: Du nennst dich Wissenschaftlerin.

00:00:44: Da halt das wirklich Ausnahme.

00:00:48: Und worüber sprechen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beim Puns trinken?

00:00:53: Vielleicht auch ein bisschen über Wissenschaft.

00:00:57: Vielleicht.

00:00:58: Schauen wir mal.

00:00:59: Du hast mir heute schon ein kleines Geschenk mitgenommen.

00:01:02: Ein Weihnachtsgeschenk.

00:01:03: Ja, ja, vielen Dank.

00:01:05: Das ist zum Baden.

00:01:07: Ist das eine Art Badeperl, also ein Stern?

00:01:12: Weihnachts-Baden sozusagen?

00:01:14: Ja, einfach in die Badewanne rein damit.

00:01:17: Genau, das ist ein Stern aus Schiebata, Kakaobutter, alles in Bioqualität und Mandelöl und ätherischem

00:01:27: Öl.

00:01:28: Und das legst du in die Badewasser und dann kommst du raus.

00:01:32: Wie die Venus von Botticelli.

00:01:34: Vielen Dank, jetzt haben wir noch ein Problem.

00:01:37: Du hast eine Dusche.

00:01:39: Was ist das?

00:01:41: Ja, ich habe eine Dusche.

00:01:43: Aber du kannst es auch als ... ich verwende solche Sachen.

00:01:46: Ich mache sie mir selbst, damit ich keine kommerziellen Produkte mehr nehme, die einen

00:01:53: Haufen Konservierungsstoff haben und so weiter.

00:01:59: Das kannst du als Handcreme verwenden.

00:02:00: Das habe ich mir schon gedacht.

00:02:01: Vielen Dank dafür.

00:02:02: Es ist wirklich selbst gemacht.

00:02:03: Selbst gemacht, ja.

00:02:04: Normalerweise sind ja selbst gemachte Geschenke weniger toll.

00:02:08: Aber das ist sehr schön.

00:02:11: Wirklich.

00:02:12: Danke.

00:02:13: Von einer Wissenschaft.

00:02:15: Danke.

00:02:16: Danke für die Wertschätzung.

00:02:18: Vielen Dank.

00:02:19: Ich habe gar kein Weihnachtsgeschenk.

00:02:21: Jetzt fühle ich mich ein bisschen schlecht.

00:02:23: Ich habe mir jetzt ein Kaffee gespendiert.

00:02:25: Ja, wenn du noch einen magst, musst du noch etwas sagen.

00:02:28: Heute das Thema Kreativität passt ja auch ein bisschen zum Weihnachtsgeschenk.

00:02:33: Ja, auch kreativ.

00:02:35: Es ist ein wirklich spannendes Thema eigentlich, ein wirklich interessantes Thema.

00:02:39: Die Kreativität.

00:02:40: Warum sind manche Menschen so kreativ?

00:02:42: Warum sind manche kreativer als andere?

00:02:44: Und woher kommen eigentlich diese genialen Ideen, die uns manchmal in den Kopf schießen?

00:02:50: Woher kommt diese Idee vom Weihnachtsstern?

00:02:52: Von der Silikonform, die ich habe, die ich gekauft habe.

00:02:57: Ja, aber du hast dir was dabei gedacht.

00:02:59: Du hast dir gedacht so.

00:03:01: Ja, aber da bin ich da nicht so wirklich kreativ gewesen.

00:03:04: Sterne gibt es überall derzeit.

00:03:07: Und das ist ein Weihnachtsmotiv, das ich übernahm.

00:03:12: Also da hat es mit Kreativität weniger zu tun.

00:03:14: Also ich hätte gesagt, wir tauchen ein in die Materie Kreativität.

00:03:17: Was ist Kreativität eigentlich?

00:03:20: Ja, also zuerst mal vielleicht denken wir ein bisschen darüber nach, gemeinsam mit den

00:03:28: Hörerinnen und Hörern, was sie unter Kreativität verstehen.

00:03:33: Denn Kreativität wird oft verwechselt mit Fähigkeit künstlerische Gegenstände zu

00:03:43: machen.

00:03:44: Also wenn jemand Salzteig knetet und hübsche Grenze macht damit, also meint man die Person

00:03:53: sei kreativ.

00:03:54: Aber Kreativität aus Sicht der Wissenschaft ist nicht sich mit künstlerischen Inhalten

00:04:04: zu beschäftigen, sondern ist die Fähigkeit, Probleme zu lösen oder auch natürlich Formen

00:04:14: in die Welt zu stellen, die nicht dem Muster entsprechen.

00:04:19: Also ich wäre kreativ gewesen, wenn ich statt dem Stern, dem Weihnachtsstern, vielleicht

00:04:27: eine andere Form genommen hätte.

00:04:29: Das heißt, wenn ich abgewichen wäre von dem, was erwartet wird.

00:04:36: Das ist die echte Kreativität.

00:04:38: Das heißt also, wenn man abweichende Muster generiert, ist man kreativ.

00:04:46: Beispiel, in einer Firma sucht man nach einer kreativen Lösung.

00:04:50: Man geht vom Mainstream aus, das Mainstream des Denkens, wie baue ich diese Maschine.

00:04:56: Zum Beispiel in einer Firma, die irgendwelche Fertigungsanlagen baut.

00:05:04: Sie haben ein Thema mit einem speziellen Stück.

00:05:08: Jetzt hat man Maschinen gebaut, die dieses Stück nicht optimal anfertigen.

00:05:14: Jetzt will man eine Lösung zu diesem Thema haben.

00:05:19: Natürlich kann man immer das Stück nicht optimal bauen, aber man möchte verbinden ein

00:05:25: optimales Erzeugnis mit einer gut funktionierenden Maschine.

00:05:31: Jetzt geht man natürlich aus von bekannten Anlagen, die man schon gebaut hat.

00:05:38: Man weiß, wie es geht und so weiter.

00:05:40: Aber für dieses Problem muss man eine andere Lösung finden.

00:05:43: Aber es geht vermutlich nicht immer um Probleme, um die Problemlösung, sondern auch generell,

00:05:49: auch in der Kunst dieser Trotz der kreativität gefragt.

00:05:51: Richtig.

00:05:52: Richtig.

00:05:53: Richtig.

00:05:54: Richtig.

00:05:55: Richtig.

00:05:56: Und ganz genau, keine Ahnung, Gedanken, die man irgendwie zu Form bringt.

00:05:58: Ja, genau.

00:05:59: Es ist im Prinzip dieselbe Art des Denkens.

00:06:03: Also abweichen von dem, was gut bekannt ist.

00:06:09: Und ich gebe dir ein Beispiel.

00:06:12: Ja.

00:06:13: Und das können sehr viele sich nachvollziehen in der Kunst.

00:06:17: Wie hat sich überhaupt die Kunst entwickelt?

00:06:22: Es gibt ein sehr, sehr tolles Buch.

00:06:23: Ich weiß nicht, ob es noch im Umlauf ist.

00:06:27: Die Grundlagen der modernen Kunst von Werner Hofmann.

00:06:30: Werner Hofmann war der Direktor der Albertina in Wien, ist dann an die Kunsthalle nach Hamburg

00:06:36: gegangen und hat eben dieses fantastische Buch geschrieben.

00:06:40: Darüber, wie sich die Kunst im Laufe der Jahrtausende entwickelt hat und wie kreativität eben die

00:06:48: Kunst begleitet hat.

00:06:50: Und ich will jetzt da nicht darüber referieren.

00:06:53: Sondern es geht um dieses.

00:06:56: Und zwar nimmt er immer wieder das Beispiel Picasso, um diese Kreativität zu erläutern.

00:07:03: Picasso hat angefangen in einer Phase, wo die Kunst, die darstellende Kunst realistisch

00:07:11: war.

00:07:12: Das heißt, man hat die Natur abgebildet.

00:07:14: Realistische Kunst bildet die Natur ab.

00:07:17: Und er hat sich immer mehr von dieser Kunst weit entfernt, indem er diese Formen, die

00:07:27: er am Anfang abgebildet hat.

00:07:29: Es gibt ganz viele Frauenporträt von Picasso in der Anfangszeit, die die Frauen realistisch

00:07:35: darstellen.

00:07:36: Man würde gar nicht meinen, dass das Picasso ist.

00:07:39: Und dann hat er diese Formen, zum Beispiel Gesicht und Büste und so weiter, immer mehr

00:07:44: dekomponiert.

00:07:46: Das heißt, auseinandergenommen und irgendwann mal ist der Cubismus entstanden.

00:07:51: Dieser Cubismus, das heißt, also dass die Augen nicht mehr nebeneinander sind, sondern

00:07:55: übereinander sind oder die Nase irgendwo ist.

00:07:58: Man erkennt es noch als Gesicht.

00:08:00: Aber die Ausdrucksform hat sich durch seine Kreativität verändert.

00:08:07: Das heißt also, formal gesehen kann man noch ein Gesicht erkennen.

00:08:11: Aber die Mittel, die er verwendet hat, sind nicht mehr so zu sagen realistisch, sondern

00:08:21: sie haben sich über verschiedene Stadien immer mehr vom Realismus entwickelt.

00:08:25: Und das war eben seine Innovation, dass er diese Ausdrucksform ins Leben ruft.

00:08:31: Und das haben ganz viele andere dann auch gemacht in der Kunst.

00:08:34: Das heißt also, von der Abbildung der Realität zur Bildung neuer Wirklichkeit.

00:08:42: Also das ist sozusagen der Übergang.

00:08:43: Und das ist nur durch einen kreativen Prozess, der das alte neu interpretiert.

00:08:49: Das ist echte Kreativität.

00:08:52: Lässt sich diese Kreativität eigentlich auch irgendwie neurowissenschaftlich messen

00:08:58: mit Gehirnscans?

00:09:00: Keine Ahnung mehr.

00:09:01: Geht das irgendwie?

00:09:02: Nicht wirklich.

00:09:03: Nicht wirklich.

00:09:04: Also man kann jetzt nicht einen Künstler in den Scanner schieben und sagen sei kreativ.

00:09:10: Und sagen sei kreativ.

00:09:12: Und dann kann man sagen, welche Gehirnregion sich aktiviert.

00:09:17: Und beim anderen aktiviert sich diese Region weniger und dann ist der andere weniger kreativ.

00:09:22: Nein, das kann man nicht machen.

00:09:23: Die Kreativität im Gehirn ist eine sehr, sehr spannende Geschichte.

00:09:29: Und zwar wird sie bedient von zwei großen Netzwerken.

00:09:34: Ein Netzwerk ist das Netzwerk des Fokussiert-Arbeitens.

00:09:40: Also wenn ich jetzt sage, ich male ein Bild.

00:09:48: Fokussiere ich meine Aufmerksamkeit auf, also angenommen, ich male jetzt mit Aquarell

00:09:53: auf das Blatt Papier und ich zeichne zuerst mal die Konturen und dann fülle ich das

00:10:00: mit Farbe und so weiter.

00:10:01: Und ich bin sehr fokussiert und normalerweise beim fokussierten Arbeiten, da ist das Aufmerksamkeits-Netzwerk

00:10:10: aktiv.

00:10:11: Bei diesem Netzwerk geht man die tradierten Wege.

00:10:16: Das heißt das, was man gelernt hat.

00:10:19: Also wenn ich jetzt sehr aufmerksam bin, dann ziehe ich die Konturen schön und so weiter

00:10:25: und so fort.

00:10:26: Aber dieses Aufmerksamkeits-Netzwerk wird immer wieder abgeschaltet und es schaltet

00:10:34: sich das Ruemodus-Netzwerk ein.

00:10:38: Das haben wir, glaube ich, in einem Podcast schon gehabt.

00:10:41: Darüber haben wir gesprochen.

00:10:42: Genau.

00:10:43: Und dieses Ruemodus-Netzwerk schaltet sich einfach im Unbewussten ein.

00:10:48: Also wir machen es nicht absichtlich, sondern das ist sozusagen eine Möglichkeit für das

00:10:52: Gehirn, sich kurz zu entspannen.

00:10:55: Und diese Möglichkeit muss sein, wir können nicht immer nur aufmerksam sein, sondern wir

00:11:01: schalten automatisch ab und auf einmal denken wir an ganz andere Dinge, selbst wenn wir unter

00:11:06: den Malen sind.

00:11:07: Und in diesem Ruemodus-Netzwerk sind diese tradierten Muster, diese Muster, die wir schon immer gelernt

00:11:16: haben, die wir jedes Mal anwenden, lockerer sind sozusagen.

00:11:20: Das heißt, es kann sein, dass ich in diesem Ruemodus-Netzwerk eine neue Möglichkeit des

00:11:26: Pinselstrichs für mich entdecke, weil ich einfach ein bisschen aus dem Muster herauskomme.

00:11:34: Und das ist meistens auch bei anderen Tätigkeiten so.

00:11:38: Ich suche nach einer Lösung, zum Beispiel für eine Aufgabe, zum Beispiel auch wissenschaftlich.

00:11:45: Wenn ich vor dem Computer sitze und ich denke mal, wie interpretiere ich diese Daten?

00:11:51: Natürlich gehe ich den normalen Weg vor, also ich hole mir diese Interpretationsmuster, die

00:11:57: schon andere auch geliefert haben und setze sie praktisch auf meine Daten, die ich erhoben

00:12:04: habe.

00:12:05: Es kann aber sein, dass da widersprüchliche Aussagen entstehen, weil meine Daten nicht

00:12:11: unbedingt in sich in dieses Muster gießen lassen.

00:12:15: Jetzt habe ich das Problem, wie interpretiere ich jetzt das, was nicht dahinein kommt, wie

00:12:20: es normalerweise ist.

00:12:21: Wie es normalerweise ist.

00:12:23: Und dann kann es sein, dass ich an gar nichts anderes denke oder dass ich mir denke, okay,

00:12:29: für heute muss ich es lassen, weil ich komme zu keiner Lösung.

00:12:32: Da gehe ich zum Beispiel Brot backen und ich rühre meinen Teig und unter dem, was ich

00:12:40: gerade mache, das mit Wissenschaft nicht zu tun hat, auf einmal denke ich, jetzt habe

00:12:46: ich es, sagt Vicky, oder?

00:12:47: Genau, sagt Vicky.

00:12:49: Genau.

00:12:50: Aber das ist ja genauso beim Laufen, oder?

00:12:51: Ich habe beim Laufen die allerbesten Ideen und kreative Einfälle, zum Beispiel für

00:12:56: Interviews oder Geschichten, die ich Ihnen hier präsentiere.

00:12:59: Richtig, das ist auch das, was ich im Bewegte und dann hierhin sagt, danke, beschreibe,

00:13:06: die Bewegung, also wenn wir jetzt eine längere Bewegungseinheit machen, du sagst, ich gehe

00:13:13: laufen, du gehst laufen, mindestens eine halbe, eine dreiviertel Stunde lang und unter dem

00:13:17: Laufen kannst du jetzt nicht unbedingt an deinem Interview arbeiten.

00:13:21: Aber die Anfrage an dein Gehirn ist schon mal durchgegeben worden.

00:13:26: Wie mache ich jetzt diese Anmoderation zum Beispiel auf dem Event?

00:13:31: Und dein Gehirn ist nicht fokussiert darauf eingestellt, sondern hat diese Anfrage locker

00:13:40: sozusagen im System drinnen.

00:13:41: Und jetzt, wo du laufen gehst, aktiviert sich eben dieses Ruhemodus-Netzwerk von selber

00:13:50: und im Ruhemodus-Netzwerk sind viele andere Möglichkeiten vorhanden der Lösung von einem

00:13:55: Thema als im fokussierten Netzwerk.

00:13:59: Ist das auch das Gleiche, wenn mir jetzt zum Beispiel ein Name oder ein Wort oder einen

00:14:04: Gegenstand nicht einfällt im Moment?

00:14:06: Zum Beispiel wie heißt der und der und dann gehe ich zum nächsten Arbeitsschritt, keine

00:14:12: Ahnung und dann nach ein paar Minuten fällt es mir ein?

00:14:15: Würde ich nicht sagen, weil das ist mehr ein Gedächtnis, Problem, dass der jetzt nicht

00:14:22: einfällt.

00:14:23: Auch wenn man jung ist, kann es sein.

00:14:28: Und es ist dann so, dass die Information im Gehirn vernetzt, gespeichert ist.

00:14:36: ein Netzwerk vorstellen mit Knoten und Verbindungen unter den Knoten. Ein echtes Netzwerk, also

00:14:41: mit vielen Punkten und vielen Verbindungen. Und jetzt ist es so, dass wenn ein Knoten,

00:14:46: zum Beispiel das Wort der Name, der nicht einfällt, dass dieser Knoten sozusagen ein

00:14:52: bisschen inaktiv ist, es kann nicht sofort die Information liefern, die du suchst. Jetzt

00:14:58: aktiviert sich aber das ganze Netzwerk. Und das ganze Netzwerk ist ein assoziatives

00:15:04: Netzwerk. Das heißt, es hat alle anderen Knoten, haben wir auch die Information von diesem

00:15:08: einen nicht so aktiven gespeichert. Und wenn du jetzt rüber gehst und du aktivierst zum

00:15:13: Beispiel einen anderen Knoten, nicht den ursprünglichen, sondern anderen, dass da auch viel

00:15:18: Aktivität hervorgeht und diese Aktivität fließt zurück zu diesem inaktiven Knoten und

00:15:24: deswegen fällt es da dann ein. Ah, okay, jetzt haben wir das auch geklärt. Ja, genau. Also

00:15:28: eher Gedächtnis. Okay, jetzt welche. Damit wieder zurück zu Kreativität, weg von den

00:15:34: Schwächen. Warum kann man das sagen? Warum sind manche Menschen kreativer als andere?

00:15:39: Oder sind alle gleich kreativ? Nein, das war eine sehr interessante Studie, die in Schweden

00:15:46: durchgeführt wurde. In Schweden wissen wir, dass schon viele, viele Jahre Patientendaten

00:15:55: allgemein zur Verfügung stehen. Das heißt, also jetzt, also in Österreich zum Glück sind

00:15:59: Patientendaten noch eher im Verborgenen, trotz ICAAT, aber wie weiss, wie weiss. Anderes

00:16:07: Thema. Anderes Thema, ja. Aber in Schweden ist das schon längst offen, sind diese ganzen

00:16:12: Patientendaten offen und es sind auch die Daten vom Psychiatrie-Patienten offen. Also zum

00:16:18: Beispiel, wenn Wissenschaftler sagen, wir möchten jetzt Menschen in dieser oder in der Klinik,

00:16:24: wir möchten die Daten haben, um eine Untersuchung durchzuführen, dann stehen ihnen diese Daten

00:16:29: offen. Und so wurde es auch gemacht, da es ein Team von Wissenschaftlern sich der Frage

00:16:36: angenommen hat, inwiefern psychiatrische Erkrankungen mit Kreativität zu tun haben.

00:16:43: Weil das heißt auch immer, dass Genie und Wahnsinn nah beisammen sind. Und diese Untersuchung

00:16:53: hat ergeben, dass tatsächlich Menschen, die psychiatrische Störungen haben, dass sie

00:16:58: kreative Berufe, also öfters kreative Berufe haben als andere, die keine psychiatrische

00:17:06: Störungen haben. Psychiatrische Störungen, was fällt da alles rein? Depression, bipolarische

00:17:12: Störungen, also das, was man im Allgemeinen versteht. Also den Artikeln, den zitiere ich

00:17:19: übrigens auch, ich habe in Gehirn für Fortgeschritte ein Kapitel geschrieben über Kreativität

00:17:25: und da ist auch diese Studie enthalten. Und das Buch, das findet ihr auf der Seite von

00:17:30: der Manuela. Ja, genau. Also das Buch ist leider vergriffen, aber es gibt noch ein paar

00:17:34: Buchhandlungen, die das verkaufen. Und auf jeden Fall hat diese Studie ergeben, dass

00:17:42: bei Menschen, wo diese starren Muster im Gehirn ein bisschen lockerer sind, dass da einfach

00:17:51: mehr Kreativität gegeben ist. Das heißt also, die Kreativität ist zum Beispiel bei Menschen,

00:17:57: die so Gemütsthemen haben. Es ist nicht selten, zum Beispiel, wenn man an einen Künstler wie

00:18:09: Van Gogh denkt. Van Gogh hat sich an Ohr selbst abgeschnitten. Van Gogh war im Prinzip ein

00:18:14: psychiatrischer Patient. Aber er hat großartiges geleistet, seine Sonnenblumen etc. Und die

00:18:22: hat er immer und immer wieder dargestellt. Oder diese Bilder, wo der Himmel so aus lauter

00:18:28: Kreisen besteht. Also den Himmel sehen wir nicht. Den hat er gesehen. Das heißt also,

00:18:36: diese lockere Interpretation von dem, was Realität ist, war gegeben durch seine psychiatrische

00:18:44: Problem. Und das hat ihm eben diese extreme Kreativität beschert. Und das ist auch bei

00:18:53: sehr vielen Künstler, wenn man schaut in die Künstlerszene, da sind sehr häufig Menschen,

00:18:59: die ein bisschen anders ticken. Ja, extrem, extreme Menschen vielleicht würde ich besser

00:19:04: sagen. Richtig, richtig. Und das wird natürlich, ich war selbst in der Kunst. Also ich habe an

00:19:09: der Kunsthochschule Linz drei Jahre als ordentlich erhöherin studiert. Und ich habe, ich bin natürlich

00:19:20: auch in diese echte Künstlerszene hineingekommen. Und es sind schon einige Menschen damals

00:19:27: gewesen, also ich rede von vor vielen Jahren, die eben auch diese Themen gehabt haben. Und

00:19:34: die auch, ja, das haben wir so sonderbare Verhalten an den Tag gelegt haben. Das geht dann unter

00:19:40: künstlerisch, wie soll man sagen, künstlerischen Ausdruck auch in dem, wie sie sich geben. Aber

00:19:48: es kann schon sein. Ich will jetzt nicht sagen, dass jeder Künstler diese Themen hat. Aber

00:19:53: du hast gesagt, gibt es Menschen, die kreativer sind als andere. Ja, diese Gruppe der Menschen,

00:19:58: die psychische Themen haben, ist kreativer als die Gruppe, die es nicht haben. Kann man

00:20:06: die Kreativität irgendwie stärken? Stärken, ja, vielleicht indem man immer wieder versucht,

00:20:15: in diesen Ruhemodus zustande zu kommen. Die Kreativität stärkst du nicht, indem du fokussiert

00:20:23: arbeitest. Also wenn du sagst, du möchtest jetzt oder mach nach dein Problem und brauch

00:20:30: wirklich eine gute Lösung dafür. Richtig. Mal laufen gehen zum Beispiel. Richtig, laufen

00:20:34: gehen ist viel besser, als dass man vor dem Computer sitzen bleibt und verkrampft nach

00:20:40: einer Lösung sucht. Ja, wobei Ideenlösungen, der Brainstorming zum Beispiel, da ist man

00:20:46: ja eigentlich auch fokussiert und sucht nach einer Lösung, aber es funktioniert dann doch

00:20:50: ja teilweise für einige Probleme. Ja, also ich weiß jetzt nicht, ob Brainstorming untersucht

00:20:55: worden ist, diesbezüglich. Es wäre naheliegend, dass es funktioniert. Andererseits, wenn man

00:21:03: jetzt sagt, also wir suchen jetzt alle gemeinsam nach einer Lösung für das Problem X, werden

00:21:08: die meisten bestimmt ihre tradierten Muster anwenden. Vielleicht von der einen oder anderen

00:21:16: Perspektive gesehen, aber wenn man jetzt, weil das ist auch eine Art des fokussierten

00:21:21: Arbetens, das lässt nicht offen, dass dieses Ruhemodus Netzwerk sich einschaltet. Und

00:21:29: hilft es zum Beispiel in der Gruppe nach Lösungen zu suchen, mehr Gehirn bedeutet mehr Kreativität,

00:21:36: mehr Ruhemodus Netzwerke oder mehr. Also in der Gruppe ist es so, also wenn die Gruppe

00:21:42: und das machen auch manchmal Firmen, die clever sind, Firmen, die clever sind, suchen sich

00:21:50: für das Belegen einer Mannschaft nicht immer die gleiche Ausbildung aus. Also ich habe es

00:22:00: nämlich in der hohen Forschung gesehen, wir waren Gruppen, die total heterogen waren.

00:22:07: Also es waren völlig unterschiedliche Ausbildungen in der Gehirnforschung,

00:22:12: findest du. Leute so wie ich, die kognitiven Neurowissenschaften machen, also denken,

00:22:17: lernen, fühlen im Gehirn. Aber wir sind auf einer Ebene, die so ungreifbar ist. Also wir beobachten

00:22:26: das, dann machen wir Experimente mit verschiedenen Methoden. Aber wir haben oft Mathematiker

00:22:34: drinnen gehabt und Physiker. Die haben von Gehirn eigentlich nichts gelernt in ihrer

00:22:39: Ausbildung. Sie sind in diese Gruppen reingekommen oder Biologen. Biologen kann schon sein, dass sie

00:22:46: von Neurobiologie eine gute Ahnung hatten, aber von kognitiver Neurowissenschaften hatten sie

00:22:52: gar keine Ahnung. Learning by doing sind sie in die Gruppe reingesetzt worden und da waren

00:22:58: die interessantesten Lösungen auch zu finden, weil sie gelernt haben, Themen von einer anderen

00:23:05: Perspektive anzugehen. Komplett andere Ansätze. Du kommst nicht zur Lösung eines Problems,

00:23:11: wenn alle Leute gleich denken oder gelernt haben, gleich zu denken, sondern du kommst hin, wenn

00:23:18: jemand alles infrage stellt, was die anderen sagen und einen völlig anderen Lösungsansatz

00:23:24: anbietet, dann schon. Und die in echten Innovationen, ob sie jetzt in der Technologie sind oder in

00:23:32: gewissen Bereichen der Wissenschaft, auch zum Beispiel in der Lernforschung, weil ich beschäftige

00:23:36: mich damit nach wie vor. Die echte Innovation kann nur entstehen, wenn du Lernmethoden nicht

00:23:43: von Lehrern untersuchen lässt, weil sie einfach alle gleich gelernt haben, sie haben keine

00:23:48: Ausweichsmöglichkeiten, weil sie sagen, nein, das kann man nicht sagen, weil wir es anders gelernt

00:23:54: haben oder Mainstream sagt das. Also wir dürfen es nicht behaupten, weil sonst sind wir nicht

00:24:01: professionell unterwegs. Aber genau das sollte eintreten dürfen, dass jemand komplett quer

00:24:08: denkt, um einen anderen Lösungsansatz zu finden. Jetzt habe ich noch eine Frage. Ja, ich bin noch da.

00:24:15: Ist die Kreativität nicht das, was uns Menschen von der KI unterscheidet?

00:24:23: Kreativität kann man der KI auch eingeben. Also die KI hat praktisch, also sammelt praktisch das

00:24:35: ganze Wissen, das da ist. Und filtert dieses Wissen nach gewissen Algorithmen. Ich habe nämlich seiner

00:24:43: Zeit eine Kolumne geschrieben über Kreativität in der Musik, die durch KI produziert wird.

00:24:50: Hast du geschrieben, ich wollte es mit der Musik ansprechen, weil wir auch einen Radiobeitrag über

00:24:54: die KI in der Musik hatten. Ja genau, das habe ich vor zwei, drei Jahren geschrieben, diesen Beitrag.

00:24:58: Und die KI, also weil Kreativität in der Musik, was ist Kreativität in der Musik? Das gewisse

00:25:08: Muster, die schon da sind, übernommen werden und dann bricht man diese Muster auf und generiert

00:25:16: neue Muster. Und das, wenn die Person die Musik gerade hört, das nicht erwartet. Und das ist eben

00:25:26: das, was zum Beispiel große Genies gemacht haben. Ein Mozart hat einen völlig neuen Stil ins Leben

00:25:33: gerufen, weil eben diese plötzlichen Abweichungen vom Muster entstanden sind. Zum Beispiel ein Barockmusiker,

00:25:41: irgendwie ein Bach. Bach hat eine andere Art der Kreativität und der Genialität. Aber

00:25:47: Bach oder die ganze Barocke Musik wiederholt immer und immer wieder die gleichen Muster. Du

00:25:53: kannst es schon abwarten. Vorhersehbar. Und der Ausbruch von diesen Muster ist erst dann später

00:26:01: gekommen, also nach der Barockmusik und die Moderne, zum Beispiel Klassiker, ein Rachmaninoff

00:26:08: oder so was. Also so jemand. Die sind komplett immer wieder ausgebrochen aus diesen tradierten

00:26:15: Mustern, so dass derjenige, der zuhört, das gar nicht erwartet. Und das ist das, was dann

00:26:21: uns auch so begeistert. Und man kann das auch der K.E. machen lassen. Weil die K.E. produziert immer

00:26:28: so diese ... also wenn du sagst, mach mir, produzier mir ein Song im Stil von Ed Sheeran.

00:26:36: Ed Sheeran. Ed Sheeran, ja. Englisch gar nicht. Nein, kannst du schon. Ist es mein Revier oder die Musik?

00:26:47: Ja, das ist ein Revier, definitiv. Und dann wird die K.E., die eine neue Komposition dessen, was dieser

00:26:57: Künstler in seinem Künstlerleben an Stücken produziert hat. Das heißt, holt sich die ganzen

00:27:04: sich wiederholenden Muster, holt sie und mixt sie neu. Aber du kannst der K.E. auch Algorithmen

00:27:14: reingeben, die diese Muster aufbrechen. Und dann produziert die K.E. tatsächlich eine Musik,

00:27:22: die genial ist im Sinne von einem Mozart oder von einem anderen für uns. Ed Sheeran hat eine

00:27:30: K.E.-Serie. Ja, aber auch Ed Sheeran, wenn man will. Also man kann die K.E. sehr wohl trainieren

00:27:36: auf diese Geschichten und dann ist auch diese Musik genial. Ich habe die K.E. quasi nur

00:27:43: Muster nachproduzieren kann und nicht ausbrechen kann. Ja, aber die K.E. lernt sehr, sehr schnell

00:27:49: auch diese Muster aufzubrechen und neue Muster zu kreieren. Natürlich muss man die K.E.

00:27:56: bringen, Algorithmen etc. Aber sobald sie gelernt hat, dann produziert sie das auch. Deswegen

00:28:03: ist die K.E. ein großartiges Thema in vielerlei Hinsicht, aber irgendwann sind ganz viele

00:28:12: Berufe dann überflüssig. Weil die K.E. so gut lernen kann, dass man gewisse Berufe dann,

00:28:20: sofern für diese Berufe bezahlt wird. Ich glaube, es ist auch im Netz oder auf Spotify

00:28:26: schon enorm viel von der K.E. generiert. Ja, ja, ja. Also ich denke, die Menschen, die

00:28:33: jetzt mal dabei waren, werden sicher bleiben. Aber für die nächsten Generationen, die einsteigen,

00:28:38: wird das sehr, sehr schwierig werden. Ich hätte gesagt, über die K.E. machen wir uns im nächsten

00:28:44: Jahr dann Sorgen. Das war unsere kreative Folge von "Giheon einfacher K.E.R.T". Wir wünschen allen

00:28:51: Hörerinnen und Hörern, frühe Weihnachten, einen guten Rutsch, ein ordentlichen, hoffentlich,

00:28:57: einen gefeierten Rutsch. Und wir hören uns dann im nächsten Jahr 2025. Wahnsinn, oder? Ja,

00:29:05: die Zeit verfliegt, Kathi. Dankeschön fürs Zuhören. Danke und alles Liebe.

00:29:11: Danke.

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