#37: Mechanismen der Kooperationen - Empathie und theory of mind

Shownotes

Das Gehirn ist von Natur aus auf Kooperationen ausgelegt und die Zusammenarbeit mit anderen hat positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden. Kooperationen sind nicht nur zwischen Individuen, sondern auch zwischen Gruppen wichtig, um soziale Probleme zu lösen.
Empathie und die „theory of mind“ legen fest, ob es zu einer Kooperation kommt und wie erfolgreich die verläuft. Was unter diesen beiden Mechanismen genau zu verstehen ist, warum auch Tiere kooperieren und warum Männer weniger empathisch und schadenfroher sind als Frauen? – darüber sprechen Neurowissenschaftlerin Manuela Macedonia und Katrin Wachauer.

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00:00:00: Gehirn einfacher Klärz, der Podcast für alle mit Köpfchen.

00:00:05: Herzlich willkommen, schön, dass ihr mit dabei seid.

00:00:08: Mein Name ist Katrin Wachauer, ich bin Moderatorin und meine Kollegin.

00:00:12: Mein Name ist Manuela Macedania und ich bin Nahrerwissenschaftlerin.

00:00:16: Buchautorin, Speakerin, Podcasterin, Spattlerin, natürlich.

00:00:23: Und du bist die Inn-Seiterin, was die Nahrerwissenschaften angeht.

00:00:27: Ich bin die Ausseiterin und wir sprechen heute über Kooperationen.

00:00:32: Das kennen wir zum Beispiel von Unternehmen, das können wir von uns Menschen.

00:00:35: Aber auch in der Tierwelt gibt es Kooperationen.

00:00:38: Warum eigentlich?

00:00:40: Kooperation ist wahrscheinlich einer der Urmechanismen des Zusammenseins und des erfolgreich Zusammenseins.

00:00:49: Man weiß zum Beispiel, dass Löwinnen in Rudeln leben.

00:00:56: Wo nur weibliche Tiere sind und dass die untereinander sich die Pflege der Kinder aufteilen.

00:01:06: Es ist ja eine Möglichkeit, effizient Kinder groß zu ziehen.

00:01:12: Aber wir wissen es auch von den Bienen.

00:01:14: Die Bienen kommen zurück und tanzen den anderen vor, wie weit die Futterquelle ist.

00:01:20: Es ist auch eine Rationalisierung der Arbeit.

00:01:23: Am meisten haben wir schon alle tausendmal beobachtet.

00:01:28: Und ein Wolf Rudel ist erfolgreich, weil sie gemeinsam jagen.

00:01:35: Ein Wolf alleine würde wahrscheinlich kein Tier erlegen oder vielleicht nur ein kleineres Tier.

00:01:40: Aber zusammen sind sie stark und so ist es auch bei Menschen.

00:01:44: Das heißt Teamwork, mix the Dreamwork, sind Kooperationen was was wir lernen im Laufe der Zeit?

00:01:52: Oder sind Kooperationen was was in uns ist?

00:01:56: Mit dem wir auf die Welt kommen, mit dem Sinn für Kooperationen, mit dem Sinn für Zusammenarbeit.

00:02:02: Kooperation heißt aus einer sehr guten Quelle.

00:02:06: Michael Tomasello, ehemaliger Institutsleiter von Max Planck Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig,

00:02:16: behauptet, dass Kooperation angeboren ist, also ein prosoziales Verhalten ist.

00:02:25: Und zwar, dass Menschen kooperieren, ohne dass sie dazu angeleitet werden.

00:02:32: Da gibt es ja auch Experimente dazu, oder?

00:02:34: Ja, es gibt ganz tolle Experimente.

00:02:36: Man kann auch auf YouTube die Videos suchen dazu.

00:02:39: Also Michael Tomasello, "Pro Social Behavior", sollte man vielleicht googlen.

00:02:44: Und er zeigt zum Beispiel, wie Kinder, die noch nicht sprechen können,

00:02:50: die auch keine Anweisung bekommen im Experimentraum, anderen helfen.

00:02:55: Und zwar gibt es eine Szene, die ganz berühmt ist.

00:02:59: Jemand kommt in den Experimentraum mit einem Stapel Bücher in der Hand.

00:03:05: Also beide Arme und Hände halten sozusagen diesen großen Stapel Bücher.

00:03:11: Und diese Person möchte die Bücher in einen Schrank hineinlegen, aber die Türen sind zu.

00:03:16: Und jetzt zeigt der Erwachsene, dass er sozusagen Richtung Schrank geht,

00:03:21: aber die Türen nicht aufmachen kann.

00:03:23: Und das Kind sitzt in einer Ecke mit der Mama, kein Mensch sagt zum Kind irgendwas,

00:03:28: und auf einmal startet es von selbst.

00:03:30: Das Kind kann gerade gehen, also ich schätze, dass es knapp über ein Jahr ist.

00:03:35: Und geht hin und öffnet die Türen vom Schrank.

00:03:39: Wahnsinn.

00:03:39: Und schaut zu, dass der Erwachsene die Bücher hineinlegt.

00:03:43: Faszinierend, oder?

00:03:44: Ja, es ist faszinierend, weil kein Mensch hat dem Kind irgendetwas gesagt.

00:03:49: Das Kind sieht eine Not, eine Schwierigkeit beim Erwachsenen.

00:03:53: Und das Kind entscheidet von selbst, dass es vom anderen Ende des Zimmers wegstattet und hingeht.

00:03:58: Und dem Erwachsenen hilft.

00:04:00: Und da gibt es eine zweite ähnliche Situation.

00:04:02: Ja, da gibt es auch ein Experiment, wo der Erwachsene Wäsche aufhängt,

00:04:07: wie auch wieder in einem Experimentzimmer.

00:04:10: Und das Kind sitzt bei der Mama und das Kind kann noch nicht gehen.

00:04:16: Und der Erwachsene versucht diese Wäsche aufzuhängen,

00:04:19: aber ihm fallen immer die Wäscheklammern runter auf dem Boden.

00:04:23: Und er kann sie nicht aufnehmen.

00:04:27: Natürlich tut es so, als ob er sie nicht aufnehmen könnte.

00:04:30: Und das Kind beobachtet das und krabbelt hin, wo diese Wäscheklammern am Boden liegen.

00:04:36: Und dann nimmt eine Klammer in die Hand und mit aller Kraft stellt er sich auf die zwei Beinchen auf

00:04:42: und streckt sich hin auf und reicht dem Erwachsenen dieser Wäscheklammer.

00:04:47: Unglaublich!

00:04:48: Ja, das Kind sieht ganz genau, was der Erwachsene braucht

00:04:52: und entscheidet dem Erwachsenen zu helfen, ohne dass man dem Kind sagt,

00:04:57: geh hin und unterstüpft ihn.

00:05:00: Wenn wir davon ausgehen, dass Kooperationen was Angeborenes sind,

00:05:07: was passiert da im Gehirn bei Kooperationen?

00:05:10: Welche Mechanismen werden da aktiv, kann man das so sagen?

00:05:13: Ja, natürlich.

00:05:15: Es gibt zwei Grundmechanismen, die dazu führen, dass wir kooperativ sind.

00:05:22: Der erste Mechanismus ist das Mitgefühl oder auch Empathie.

00:05:27: Und der andere Mechanismus ist Theory of Mind.

00:05:33: Aber zuerst vielleicht gehen wir auf Empathie.

00:05:36: Was ist so generell die Empathie?

00:05:39: Ist das das Mitgefühl?

00:05:40: Das Mitgefühl ist, dass ich in meinem Kopf weiß, wie du fühlst.

00:05:48: Und ich kann deine Gefühle nachvollziehen.

00:05:50: Das heißt, wenn wir das Beispiel des Kindes nehmen, konnten diese zwei einjährigen Kinder nachvollziehen,

00:05:59: also konnten fühlen, dass der Erwachsene Hilfe braucht.

00:06:04: Und diese Mechanismen haben im Gehirn zwei, drei Regionen,

00:06:10: wo es ist ein großes Netzwerk.

00:06:12: Und zwar in diesem Netzwerk ist die Insel involviert.

00:06:17: Die Insel ist ein Teil der Rinde, die hineingepresst wurde.

00:06:22: Ist auch eine Rinde, die aber versteckt ist unter zwei Falten sozusagen.

00:06:27: Und deswegen Insel, Inselrinde, sagt man dazu.

00:06:30: Die ist ungefähr über den Ohren drinnen.

00:06:33: Und sie wird aktiv bei Experimenten, wo empathisches Verhalten beobachtet wird.

00:06:41: Und der andere Gehirnregion, die auch bei Empathie aktiv wird, ist der Gyrus zinguli.

00:06:52: Ich glaube, wir haben ihn schon ein paar Mal gehabt im Podcast.

00:06:55: Das ist die sogenannte Gürtelwindung.

00:06:58: Das ist die wörtliche Übersetzung.

00:07:00: Ja, so weiß ich es wieder.

00:07:02: Genau, Gürtelwindung.

00:07:04: Also die Gürtelwindung im mittleren und vorderen Bereich.

00:07:09: Sie wird aktiv, wenn man Schmerzexperimente durchführt.

00:07:15: Und zwar zum Beispiel, wenn ein Mensch einen physischen Schmerz empfindet.

00:07:21: Und zwar legt man die Personen in den Scanner und piqust sie auf der Hand mit einer Nadel.

00:07:27: Das heißt also, man hat eine Schmerzempfindung.

00:07:30: Und diese Schmerzempfindung löst die Aktivität im Gyrn aus,

00:07:35: die eben die Insel involviert und diese Gürtelwindung im mittleren und vorderen Bereich.

00:07:41: Das heißt, diese zwei Regionen werden aktiv.

00:07:45: Und dann weiß man, der Mensch hat Schmerz empfunden.

00:07:50: Aber diese zwei Regionen sind auch aktiv, wenn ich jemanden beobachte, der gerade Schmerz empfindet.

00:07:59: Okay.

00:08:01: Das heißt also, ich empfinde selbst den Schmerzen, denn der andere empfindet.

00:08:06: Okay.

00:08:07: Das heißt also, es gibt auch Experimente, wo ein Partner im Scanner ist und dem wird Schmerz zugefügt.

00:08:13: Nein, Julio, ein Partner ist da draußen und dem wird Schmerz zugefügt.

00:08:17: Und die Person, die im Scanner ist, beobachtet das.

00:08:21: Und bei der Person ist eben dieses Netzwerk aktiv, wie wenn dieser Person Schmerz zugefügt würde.

00:08:28: Okay, das ist ja spannend.

00:08:29: Ja, Mitfühlen bedeutet, dass ich genau das spüre, was du spürst.

00:08:34: Und deswegen werde ich aktiv und möchte dir helfen.

00:08:40: Und ich glaube zum Beispiel Eltern, die einen Schmerz bei ihren Kindern empfinden.

00:08:45: Also, wenn das Kind Schmerzen hat und die Eltern empfinden mit.

00:08:49: Genau, die empfinden mit und viele Mütter haben, was heißt viele, einige Mütter haben

00:08:54: mir schon gesagt, der Schmerz ist mir so nahe gegangen, als ob ich selbst den Schmerz empfunden

00:09:00: hätte, als ob ich mir diese Wunde zugefügt hätte, als ob ich mir den Knochen gebrochen

00:09:05: hätte.

00:09:06: Also, es ist ein richtiger körperlicher Schmerz, den man empfindet, wenn man zuschaut, dass

00:09:11: dem geliebten Kind etwas passiert ist.

00:09:13: Und das ist wirklich so, weil das belegen diese Experimente.

00:09:17: Richtig, diese Experimente belegen, dass bei Mitgefühl, also bei der Empathie jene Schmerz,

00:09:23: das spricht von Schmerzmatrix, jene Schmerzregionen im Gehirn, genauso aktiv werden, selbst beim

00:09:30: Beobachten, als ob man selbst diesen Schmerz hätte.

00:09:33: Bevor wir jetzt auf den zweiten Mechanismus eingehen, der die Kooperation ausmacht, also

00:09:39: die Theory of Mind, noch einmal zum Mitgefühl zur Empathie, gibt es einen Unterschied, was

00:09:46: das Mitgefühl angeht bei Frauen und Männern?

00:09:49: Wieso?

00:09:50: Wieso fragst du das?

00:09:51: Ja, ich frage für einen Freund.

00:09:55: Ja, tatsächlich.

00:09:59: Frauen sind's mitfühlender.

00:10:01: Ja.

00:10:02: Was für eine Überraschung, ja.

00:10:04: Was für eine Überraschung.

00:10:05: Und das ist belegt?

00:10:06: Das ist belegt und zwar, das war ein Experiment, das in Science veröffentlicht wurde, schon

00:10:14: 2004, von Tania Singer.

00:10:17: Tania Singer ist eine Wissenschaftlerin, die soziale neue Wissenschaft macht und sie hat

00:10:24: seinerzeit mehrere Experimente dazu gemacht und sie hat festgestellt, dass tatsächlich

00:10:32: Frauen empathischer sind und zwar hat sie es so gemacht, sie hat zuerst mal in einem

00:10:42: Moment Gefüge, hat sie jemanden eingeschläust, die unfair war, gegenüber den Experimentteilnehmern.

00:10:52: Und diese Person, also die unfaire Person, also die unfaire Person hat gespielt mit diesen

00:10:58: Leuten und sie hat sich unfair verhalten.

00:11:01: Und diese Personen haben dann irgendein Preis verloren, weil die andere eben unfair war.

00:11:07: Und dann wurden diese Bedrohungen sozusagen in ein Scanner gelegt, einzeln natürlich,

00:11:14: und sie haben beobachtet, dass dieser Person, die unfair war, Schmerz draußen zugefügt wird,

00:11:21: dass sie eben gepickst wird mit einem, mit einer Nadel auf der Hand oder sowas.

00:11:25: Das heißt also, ich liege im Scanner und sehe, dass dieser unfairen Mitspielerin Schmerz zugefügt wird.

00:11:33: Und bei den Frauen hat sich dieser Schmerzmatrix aktiviert, obwohl sie auch bedrohen worden war.

00:11:40: Bei den Männern nicht. Ganz im Gegenteil, bei den Männern hat sich Dopamin-Ausschüttung

00:11:48: in Gang gesetzt und Dopamin ist Glücksbotenstoff.

00:11:51: Schadenfreude.

00:11:53: Schadenfreude. Und das ist eben dieser Mechanismus.

00:11:56: Es gibt dazu, dass dir ein Unglück passiert, so in dem Fall, experimental herbeigeleitet.

00:12:04: Und ich freue mich, dass du Schmerz empfindest. Also ich bin schadenfroh.

00:12:08: Das heißt, wir halten fest, Männer sind schadenfroh und weniger empathisch als Frauen.

00:12:14: Ja, wenn sie einen Feind haben, scheint es so zu sein.

00:12:19: Also zumindest in diesem Experiment.

00:12:21: Ich sehe das nicht für allgemein an auf die Weltbevölkerung.

00:12:25: Aber es kann schon sein, dass wenn man einen Mann vielleicht einen Schmerzen zufügt,

00:12:31: dass er sich gut daran erinnert und dass er zu einem späteren Zeitpunkt sich wahrscheinlich eher recht als eine Frau.

00:12:38: Eine Frau ist wahrscheinlich mehr bereit zu verzeihen.

00:12:42: Also sie ist immer noch empathischer als der Mann.

00:12:45: Ich rede jetzt für Menschen, die vielleicht gerade in einem Beziehungskonflikt sind, um das besser zu verstehen.

00:12:53: Ist das wahrscheinlich evolutionär, bedingt?

00:12:57: Die Frauen sich eher um die Familie gekümmert haben und da empathischer sein mussten als die Männer, die quasi jagen waren?

00:13:04: Ja, ganz genau.

00:13:06: Zumindest wird so vermutet. Von der evolutionären Anthropologie wird vermutet, dass Frauen empathischer sein müssen,

00:13:17: weil sie sich um ihre Kinder kümmern.

00:13:21: Und früher als Frauen noch nicht berufstätig waren, haben sie sich auch um die älteren Menschen gekümmert.

00:13:26: Das heißt, also im Familiengefüge musste Frau immer auf ihre Kinder hören, wenn sie in der Nacht geschrien haben.

00:13:33: Und auch wenn die Oma sie gerufen hat, dass sie vielleicht ein Glas Wasser braucht, ist Frau aufgestanden und ist gegangen.

00:13:39: Und ich höre immer wieder auch Väter sagen, wenn das Kind in der Nacht schreit ...

00:13:44: Ah, die Frau geht's.

00:13:46: Schatzi!

00:13:47: Schatzi!

00:13:49: Schatzi, dass sie selber ...

00:13:51: Oder dass sie die Kinder gar nicht hören.

00:13:54: Ja, das ist ja auch so, oder?

00:13:57: Aber ich hab's schon gehört.

00:13:59: Also ich hab's gehört.

00:14:01: Wir können das beide nicht bestätigen.

00:14:03: Ich kann's nicht bestätigen, weil ich keine Kinder habe.

00:14:05: Ja, aber auch nicht.

00:14:07: Aber das haben wir schon öfters die Väter gesagt.

00:14:09: Da haben sie gesagt, leider höre ich mein Kind nicht, wenn sie in der Nacht weint.

00:14:12: Wir wissen jetzt nicht, ob es eine volle Ausrede ist oder ob es wirklich so ist.

00:14:16: Nein, wir können es nicht sagen.

00:14:18: Aber sagen wir so, es ist auch naheliegend, dass zum Beispiel der Mann in der Uhrzeit kein Mitleid hat brauchen gegenüber einem Feind,

00:14:27: der sozusagen in sein Revier gekommen ist, den hat er gleich umgelegt.

00:14:31: Und selbst wenn der Feind ihn angefleht hat, dass er leben möchte,

00:14:41: der muss da beseitigt werden und fertig.

00:14:43: Oder ein Tier erlegt hat, also das Tier ist zwar lieb,

00:14:46: aber wenn man nachher in die Uhrzeit,

00:14:48: braucht in der Uhrzeit, ja, hatte man ja keine Tofu-Alternative und deswegen musste man Tier

00:14:54: erlegen. Männer sind auf die Jagd gegangen. Männer gehen auch jetzt noch bei Naturvölkern

00:14:59: auf die Jagd. Frauen bleiben zu Hause und verarbeiten dann das Erlegte, aber nach wie vor ist die Jagd

00:15:07: eine Tätigkeit, die Männer durchführen, selbst wenn es auch natürlich Jägerinnen gibt. Aber

00:15:11: grundsätzlich war das die Aufgabe des Mannes, weil er auch die Kraft hat, ein erlegtes Tier mehr nach

00:15:17: Hause zu schleppen oder solche Sachen vom Erlegen wieder zu den Kooperationen und zum

00:15:24: zweiten Mechanismus zur Theory of Mind. Das ist ja auch so dieses, wir haben es in einem Podcastfolge

00:15:31: schon besprochen, das ist ja auch so dieses Hineinfühlen oder in das, also ich weiß, was du

00:15:37: weißt, es geht in die Richtung, oder? Ja, also während die Empathie mit Gefühl zu tun hat, ist

00:15:45: Theory of Mind hat mit Gedanken zu tun. Und zwar ich weiß, was du denkst. Okay. Ja, ich weiß, was

00:15:56: du weißt. Was weiß ich? Genau. Also wenn wir in einer, zum Beispiel, wir arbeiten jetzt schon länger

00:16:03: an diesem Podcast zusammen, ja, wenn ich dann etwas sage, weiß ich ungefähr, ob es ankommt oder

00:16:10: weniger. Nein, ich weiß ungefähr, was dich interessiert, weil du bist die Außeriderin, du bist

00:16:17: jene, die mich fragt nach Dingen, die die Menschen draußen interessieren. Ja, dann bringe ich die

00:16:23: Antwort so, dass du, ich meine, ich kann die Antwort in mehrere Richtungen lenken, aber ich

00:16:30: bemühe mich, die Antwort so zu bringen, dass deine Frage beantwortet wird und dass diese Frage so

00:16:36: beantwortet wird, dass die Menschen draußen sich auch ein Reim machen können. Also ich muss jetzt

00:16:42: in unserem Job, den wir gemeinsam gestalten, muss ich Theory of Mind haben, weil sonst fragst du

00:16:48: mich etwas und ich antworte in eine ganz andere Richtung, weil ich nicht weiß, was du denkst

00:16:53: und nicht weiß, was du weißt. Ja, ja. Also jemand, der gut kooperieren kann, weiß, was die andere

00:17:02: Person fühlt und weiß, was die andere Person denkt und weiß. Also Theory of Mind beschränkt sich,

00:17:12: beschränkt ist vielleicht nicht das richtige Wort, aber betrifft vielleicht das, was die

00:17:17: andere Person weiß, weiß und was die andere Person denkt. Das heißt, Kooperationen bestehen

00:17:24: aus den beiden Mechanismen Empathie und Theory of Mind. Gibt es was, jetzt die Theory of Mind

00:17:31: dann geht es auch Menschen, die da irgendwie besonders herausragen oder gibt es da auch Experimente?

00:17:36: Ja, natürlich, es gibt jede Menge Experimente dazu. Vielleicht ein Experiment, das interessant ist

00:17:42: und auch nachvollziehbar ist, ist dieses Spiel "Schere Steinpapier". Und zwar wird es, also damit

00:17:52: man die Regionen lokalisiert, die in Theory of Mind beteiligt sind, weil das ist nicht nur etwas,

00:17:58: was das beschrieben wird, sondern es ist ein Prozess, den man im Gehirn nachweisen kann.

00:18:03: Und diese Experimente haben stattgefunden Anfang 2000er Jahre, das war die Zeit,

00:18:09: wo man diese Theory of Mind genauer angeschaut hat. Und man hat so gespielt, dass der Mensch im

00:18:16: Scanner, mit dem man dem draußen spielt, "Schere Steinpapier". Genau, "Schere Steinpapier".

00:18:21: Und man muss sich immer überlegen, jetzt hat der andere Stein gesagt, jetzt wird er wahrscheinlich

00:18:28: nicht ein zweites Mal Stein sagen. Oder gerade jetzt. Oder gerade jetzt sagt das Stein. Und es ist

00:18:34: immer ein Hin und Her überlegen, was denkt die andere Person. Und da ist auch eine Region in

00:18:43: der Gürtelwindung aktiv, also diese Theory of Mind gestaltet. Ja, also das sind die Experimente und

00:18:52: ein erfolgreicher Mensch, der Theory of Mind hat, schätzt eben ein, wie die Attitüden andere ihm

00:18:59: gegenüber sind. Weil er weiß, was der andere denkt, kann sich besser anpassen. Kann sich viel

00:19:06: besser anpassen, kann sich viel, zum Beispiel in der, ich würde sagen, Karriereleiter. Jemand,

00:19:15: der diese Mechanismen beherrscht, macht eher Karriere als für andere, dass er sie nicht versteht.

00:19:21: Okay. Weil wenn ich jetzt ganz unten anfange und ich weiß, wie mein Chef tickt, ja, also wenn ich das

00:19:28: verstanden habe, dann kann ich zum richtigen Zeitpunkt das Richtige sagen, sodass mein Chef dann sagt,

00:19:33: okay, die Manuela ist da, wie? Weil er weiß ja nicht, wie, wie, also sagen wir so, die Menschen

00:19:41: analysieren nicht immer das Verhalten der anderen, sondern wenn ein guter Satz daherkommt, denkt sich,

00:19:47: ah, sie denkt so wie ich über diese Sache. Also sie kann meine Vertraute werden. Ich kann ja

00:19:52: vielleicht mehr Verantwortung übertragen oder sowas. Also und aber auch wichtig ist, dass der

00:20:00: Mensch, der Theory of Mind, also wichtig ist auch, dass er ermitteln kann, ob er anderen Menschen

00:20:08: vertrauen kann. Okay. Weil es ist so, also, dass auch mein Chef diese Fähigkeit haben muss, damit

00:20:18: wir erfolgreich zusammen spielen. Weil es kann sein, dass ich ihn manipulieren will und dass er es

00:20:24: versteht. Ja, das heißt, also er muss auch sondieren können, verstehen können, ob er mir vertrauen

00:20:32: kann. Weil es kann sein, dass er mal was Wichtiges erzählt und dann gehe ich raus und erzähle

00:20:37: es allen anderen. Ja, ja, genau. Das heißt also, Theory of Mind, wenn man gut kooperiert, ist

00:20:44: beidseitig vorhanden. Das heißt, also ich weiß, wie du denkst, ich weiß, was du willst, was du

00:20:51: weißt und ich klinge mich da ein in deine Gedanken, in diese Art, die Dinge zu sehen. Und

00:21:00: umgekehrt musst du auch wissen, ob du mir vertrauen kannst oder nicht, weil irgendwann mal kriege ich

00:21:07: vielleicht mehr Verantwortung, kriege ich vielleicht eine Leitungsposition und dann soll ich eben auch

00:21:14: deine Linie vertreten und nicht plötzlich auf einem eigenen Gleister hinfahren und vielleicht

00:21:19: die anderen Mitarbeiter schlecht behandeln oder sowas. Das heißt, also es ist gegenseitig und

00:21:26: auch ganz wichtig ist, die Absichten zu erkennen von jemandem. Und interessant ist, dass zum Beispiel

00:21:32: Menschen, also Menschen, die kriminell sind, es gibt solche, die diese Theory of Mind sehr gut

00:21:44: beherrschen. Also das heißt, so Telefonbetrüger zum Beispiel, Trickbetrüger oder die sich,

00:21:50: ja ja, Liebesbetrüger. Genau, also Menschen, was diejenigen gebraucht und das geben und so.

00:21:56: Und schlussendlich oder ihr schlussendlich das Geld entlocken. Zum Beispiel. Ja. Und dann gibt es

00:22:03: wiederum andere Kategorien von Verbrechern, die überhaupt nicht verstehen, wem sie vertrauen

00:22:10: können. Ja, und dann haben sie immer die falschen Freunde, die sie wieder in die, sagen wir so,

00:22:17: kriminelle Spirale mitnehmen. Vielleicht kommen sie aus dem Gefängnis raus und gehen wieder zu

00:22:23: denen, die sie ins Gefängnis gebracht haben. In der Meinung, sie sind ihre Freunde, aber diese

00:22:28: Leute nutzen sie wieder aus. Das heißt, sie wissen auch nicht, dass sie ausgenutzt werden. Ihnen fehlt

00:22:33: diese Theory of Mind. Das heißt, es gibt keine Möglichkeit zu kooperieren mit ihnen und sie

00:22:39: suchen sich auch immer die falschen Leute aus. Blöd gelaufen. Genau. Das heißt, also der Mensch,

00:22:45: der erfolgreich ist, trifft Entscheidungen richtig, weil die Einschätzung von der anderen Person

00:22:52: richtig ist und kooperiert dann um, also umgekehrten Schluss gekonnt. Gibt es auch negative Beispiele,

00:23:00: wo, keine Ahnung, ja, negative Beispiele, was ist die Theory of Mind? Ja, natürlich. Also es gibt

00:23:11: jede Menge negative Beispiele, wo die zum Beispiel Leute in der Öffentlichkeit nicht verstehen,

00:23:17: wenn man von Politik im Allgemeinen spricht, ja, gibt es viele Menschen, die in der Politik nicht

00:23:24: wirklich verstehen, was das Volk will, ja, also die einfach am eigenen Trip sind. Aber es gibt

00:23:31: wahrscheinlich zwei sehr prominente Beispiele, um jetzt nicht aktuelle Politik anzutasten.

00:23:37: Vorsicht heiß. Vorsicht heiß. Wir machen ein Podcast über das Gehirn, ja, nicht über die Politik.

00:23:45: Ich weiß nicht, vielleicht erinnern sich die Hörerinnen und Hörer an den Bundespräsidenten

00:23:52: Wolf, den Deutschen, der irgendwas gemacht hat, aber ich weiß es jetzt nicht mehr genau. Auf jeden

00:23:59: Fall, die Bildzeitung hat irgendwas geschrieben über ihn und er war wütend, hat das Telefon

00:24:09: genommen, hat den Schäferedakteur der Bildzeitung angerufen und hat angedroht, wenn das und jenes

00:24:16: nicht gelöscht wird, dass Konsequenzen für diesen Schäferedakteur gibt. Und der Schäferedakteur

00:24:22: hat ihn dann verbetzt und dadurch muss er zurücktreten. Und in diesem Fall hat Wolf nicht

00:24:30: wirklich die Attitude dieses Schäferedakteurs richtig eingeschätzt. Er hat nicht damit gerechnet,

00:24:37: dass der eigentlich sich wehren kann, also sich nicht unter Druck setzen lässt und er konnte ihm

00:24:44: nicht vertrauen, dass das, was er ihm auf die Sprachbox gesprochen hat, nicht öffentlich gemacht

00:24:49: wird. Und das wurde öffentlich gemacht. Dieser ganze Dro-Attacke vom Politiker gegenüber dem

00:24:57: Schäferedakteur ist dann öffentlich gemacht worden und er musste Wolf zurücktreten. Das heißt, er hat

00:25:01: auch nicht die Absicht des Schäferedakteurs erkannt, also hat dieser Person völlig, man würde sagen,

00:25:08: unterschätzt, aber nicht unterschätzt in ihren Fähigkeiten, sondern unterschätzt in ihrer

00:25:14: Möglichkeit, sich zu wehren. Das heißt, der Wolf hat nicht gewusst, wie die Attitude

00:25:21: dieses Schäferedakteurs war, ob er ihm vertrauen konnte und welche Absichten der wirklich hatte.

00:25:26: Gibt es ein zweites Beispiel angesprochen? Ja, ein sehr gutes Beispiel, worüber ich immer

00:25:34: lächeln muss, ist der Bill Clinton, ist vielleicht den jungen Hörerin und Hörern nicht mehr so ein

00:25:40: Begriff. So ein Scooging. Bill Clinton als Präsident der Vereinigten Staaten hatte eine Affäre mit

00:25:48: einer ganz jungen Praktikantin. Er wird gewesen sein so mit der 40 Schätzig oder Ende 40 und

00:25:54: das Mädchen war Anfang 20 oder sowas. Und die Affäre ist aufgeflogen und dann wurde Clinton

00:26:03: öffentlich befragt in einer Art Verhör im Fernsehen oder sowas und ich habe die Worte noch im Ohr,

00:26:12: weil jeder neugierig war natürlich und alle Medien haben das hochgespielt und er sagte auf

00:26:19: die Frage, haben sie was gehabt mit Miss Lewinsky und er sagte, I did not have sex with that woman.

00:26:28: Die Sache war, dass Miss Lewinsky früher oder später, ich weiß jetzt nicht nach wie viel Zeit,

00:26:34: irgendwelches Material vorgelegt hat, wodurch es offensichtlich war, dass Sexhandlungen stattgefunden

00:26:46: hatten. Und das hat die politische Karriere von Bill Clinton irgendwie zerstört, weil ab dem

00:26:53: Zeitpunkt war er nicht mehr glaubhaft über dem, was er sagt und es war offensichtlich, dass er

00:27:00: vor laufender Kamera gelogen hatte. Er hatte auch nicht eingeschätzt, wie die Attitüde dieser

00:27:07: Frau ihm gegenüber war. Er hat wahrscheinlich geglaubt, sie ist total verliebt und sie macht

00:27:12: alles für ihn. Hat ihr voll vertraut und hat nicht aber ihre Absicht erkannt, dass sie sich

00:27:23: rechen würde vielleicht. Wir wissen ja nicht, was gelaufen ist, auf jeden Fall. Sie hat sich

00:27:29: gerecht und das hat in die politische Karriere gekostet. Also das sind so zwei negative Beispiele.

00:27:35: Die Kooperation ist ein total was positives Empathie, Theory of Mindspielen zusammen. Wenn ein Faktor

00:27:43: fehlt, was ist dann? Ja, manchmal fehlt die Empathie. Das heißt, es geht meistens von den oberen

00:27:53: Etagen runter zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wenn die Empathie fehlt und der Umgang

00:27:59: ein bisschen kälter wird, dann fühlt sich dieser Person vielleicht ausgeschlossen, nicht gesehen,

00:28:11: nicht wertgeschätzt. Also wenn das fehlt, dann ist ein Konflikt bestimmt im Raum und aber auch

00:28:20: wenn die Theory of Mind fehlt. Also wenn ein Chef nicht weiß, was die Mitarbeiterin denkt und weiß.

00:28:28: Also es sind zwei Mechanismen, die perfekt beherrscht gehören, vor allem von den Führungsebenen,

00:28:36: aber auch natürlich im normalen Alltag. Ich muss wissen, wie meine Kollegin, mein Kollege,

00:28:43: tickt, damit ich auch gekonnt kooperiere, auch auf der gleichen Ebene. Aber ich würde sagen,

00:28:49: am meisten schmerzt es, wenn in einer Hierarchie die obere Etage diese zwei Prozesse nicht gut

00:28:58: beherrscht, weil dann die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leiden und früher oder spät,

00:29:04: entweder die Organisation verlassen oder erkranken. Darüber wollen wir ganz ausführlich in

00:29:11: der nächsten Folge sprechen. Da geht es quasi dann auch um die Psychopathen des Alltags. Darüber

00:29:18: dann das nächste Mal mehr. Wir sagen Danke fürs Zuhören, fürs Kooperieren quasi. Danke fürs

00:29:23: Kooperieren, Manuela. Danke, Karin, fürs Kooperieren. Und wir freuen uns über positive Bewertungen und

00:29:29: auch natürlich, wenn ihr unseren Podcast teilt. Vielen Dank und auf Wiederhören.

00:29:34: [Musik]

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